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»Hochinteressante und sehr informative Arbeiten«

Historischer Verein verlieh Max-Fürst-Jugendpreis – Schwenkmeier würdigt Leistungen

Den Max-Fürst-Jugendpreis verlieh der Historische Verein für den Chiemgau zu Traunstein heuer in dreifacher Ausführung: Die Auszeichnungen erhielten in einer Feierstunde im Sailer-Keller Marie-Therese Miess von der Fachoberschule/Berufsoberschule (FOS/BOS) Traunstein sowie Sophia Katharina Maier und Hannah Urian jeweils vom Chiemgau-Gymnasium (CHG) Traunstein. Die Schülerinnen hatten sich mit Themen aus der Geschichte des Chiemgaus befasst, die von der NS-Propaganda und dem Antisemitismus bis zur Migration und Integration der Rumäniendeutschen reichten. In der Laudatio sprach Willi Schwenkmeier von »hochinteressanten und sehr informativen Arbeiten« aus der Heimatgeschichte.

Mit dem Preis, den der Historische Verein nach dem Heimatforscher und Maler Max Fürst (1846-1917) benannt hat, würdigt er herausragende Leistungen in der Region. Einmal im Jahr ehrt er einen Erwachsenen sowie auch Jugendliche. Heuer war die Preisverleihung, bedingt durch die Corona-Krise, erstmals geteilt. Auf die Ehrung des Erwachsenen – Richard Ruhland aus Tittmoning erhielt den Preis (wir berichteten) – folgte nun die Auszeichnung der Jugendlichen. 

Den Max-Fürst-Jugendpreis erhielten jeweils (von links) Marie-Therese Miess, FOS/BOS Traunstein, sowie Sophia 
Katharina Maier und Hannah Urian, beide vom Chiemgau-Gymnasium Traunstein.

»Wie man in unserer Heimat mit der Diktatur, im Besonderen dem Nazi-Verbrecherregime, umgegangen ist – das zu erforschen ist eine sehr wichtige Arbeit«, betonte Hans Helmberger, der Vorsitzende des Historischen Vereins. Er freute sich, »dass unsere Jugend sich auch an dieses Thema herantraut«. Und weiter: »Ich selber habe es öfter erlebt, dass es in den Chroniken vieler Vereine einfach hieß: 'Über die Nazizeit sind keine Unterlagen vorhanden.'« Helmberger forderte dazu auf, immer wieder neu nach Fakten und Erkenntnissen zu suchen, die das »Dunkel der Geschichte« aufhellen. »Und nur mit der dabei gefundenen Wahrheit können wir eine Gesellschaft formen, die die Prinzipien der Humanität und der Achtung der Menschenrechte, der Demokratie an vorderste Stelle stellt.«

Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer meinte in einem Grußwort, das zweiter Vereinsvorsitzender Stefan Schuch verlas, dass sich die drei Preisträgerinnen »mit wirklich spannenden und leider immer noch aktuellen Aspekten der Heimatgeschichte wie Antisemitismus, Nationalsozialismus und Migration« befasst hätten. Und der OB führte weiter aus, die Kenntnis der Geschichte und Kultur der eigenen Heimat, des eigenen Lebensraumes sei von »großer Bedeutung für die Identitätsstiftung einer Region und ihrer Menschen«. Deshalb sei es auch so wichtig, schon junge Leute für die Heimatforschung zu begeistern. »Der Max-Fürst-Jugendpreis ist hier besonderer Ansporn und Ausdruck der Wertschätzung zugleich.«


Drei Preise vergeben 

Traunstein – Der Historische Verein für den Chiemgau zu Traunstein verlieh drei Einzelpreise. Gruppen ehrte er in diesem Jahr nicht. Der Max-Fürst-Jugendpreis ging heuer an Marie-Therese Miess, FOS/BOS Traunstein (Thema ihrer Arbeit: »Migration und Integration der Rumäniendeutschen in Deutschland, dargestellt an zwei Familien aus dem Chiemgau«, betreuende Lehrkraft: Waltraud Lier), Sophia Katharina Maier, CHG (»Antisemitismus im Chiemgau 1933-1945«, Michael Völkel), und Hannah Urian, CHG (»NS-Propaganda und die Reaktionen im Chiemgau«, Thomas Bohlen). 

Auch in diesem Jahr hat der Landrat den Max-Fürst-Jugendpreis wieder gesponsert. »Wir alle sollten aus unserer Vergangenheit lernen und aufgrund neu erworbener Erkenntnisse und Erfahrungen unser Handeln immer hinterfragen«, sagte Andreas Danzer, der Landrat Siegfried Walch vertrat. Denn die Preisträgerinnen hätten mit ihren Arbeiten gezeigt, »dass die Geschichte nicht immer so verlaufen ist, wie wir uns das im Nachhinein gewünscht hätten: nämlich friedlich im Geist des Zusammenhalts und des Miteinanders«. Umso wichtiger sei es, so der stellvertretende Landrat, gerade die »dunklen« Themen der Vergangenheit zu beleuchten und immer wieder daran zu erinnern. Die Geschichte dürfe nicht verdrängt und nicht vergessen werden.

»Wozu Geschichte?« Diese Frage stellte Willi Schwenkmeier. Und er gab mehrere Antworten. So sei die Beschäftigung mit der Vergangenheit – insbesondere mit den Erscheinungen des Nationalsozialismus, dem Antisemitismus und der NS-Propaganda – jetzt nötig, weil die »Geschichtsverweigerer der AfD« über diese Zeit den Mantel des Schweigens legen.

»Sich mit der Geschichte zu befassen heißt, seinen eigenen Blickwinkel konstant zu erweitern und damit quasi über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, das heißt zugleich, sich etwas anzueignen, das dazu dient, auch das verstehen zu lernen, was man ansonsten womöglich nur kopfschüttelnd betrachtet.« Die Geschichte kenne »unsagbar viele Bruchstücke, also einzeln und durchaus miteinander verwobene Bereiche«. Einer von ihnen sei die Heimatgeschichte, so Schwenkmeier. Sie könne den Blick auf das große Ganze fördern und zu einem »geistigen Verständnis-Abenteuer« werden. Die Preisträgerinnen hätten sich dieser Aufgabe gestellt. Und zu ihnen sagte der Laudator: »Wir haben vor Ihnen einen großen Respekt.« 

(Foto und Text: Gernot Pültz)

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