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Exponate aus dem Chiemgau in Landesausstellung „Bier in Bayern“

Gebraut aus Gersten, Hopfen, Wasser 

Von Gernot Pültz 

Traunstein – Vielleicht hatten sie Kopfweh, weil das Bier so gut war und sie zu viel getrunken hatten, womöglich war es aber auch so schlecht, dass sie es sofort zu spüren bekamen. Wie dem auch war, die beiden Bierbeschauer griffen sich jedenfalls an ihr Haupt. Ohne Kopfweh, weil sie nichts probieren durften beziehungsweise mussten, gingen der Aufschläger und der Gegenschreiber ans Werk. Sie kontrollierten das Fass. Nicht der Geschmack, vielmehr die Menge war allein für sie interessant, ergab sich doch daraus der Aufschlag, also die Steuer, die an den Staat zu bezahlen war.

Einen Einblick in die damaligen Arbeiten gibt die Darstellung auf einer Truhe für Aufschläge aus dem Jahre 1611. Normalerweise steht sie im Stadt- und Spielzeugmuseum in Traunstein, in den nächsten Wochen und Monaten ist sie jedoch in Aldersbach in Niederbayern zu sehen. Das gute alte Stück gehört zu den vielen Exponaten, die das Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG) in seiner Landesausstellung 2016 zeigt.

Bier in Bayern (Truhe)

Das zum Ausschank bestimmte Bier wurde in Bayern früher auf Qualitätsmängel kontrolliert und versteuert. Die Vorderseite einer Truhe für Biersteuergelder aus dem Jahr 1611 aus dem Stadt- und Spielzeugmuseum Traunstein zeigt die Geschmacksprobe durch Amtleute und die „Visier“, also die Schätzung des steuerpflichtigen Fassinhalts, durch staatliche Beamte.  (Foto:  Haus der Bayerischen Geschichte/ Philipp Mansmann) 

Jedes Jahr bietet das vom Freistaat getragene HdBG eine große, historische Rückschau, das Thema heuer lautet „Bier in Bayern“. Zu sehen ist die Ausstellung von 29. April bis 30. Oktober. Einen Ausblick gab Dr. Michael Nadler, einer der Ausstellungsmacher vom HdBG, in einem Vortrag im Heimathaus in Traunstein, Veranstalter war der Historische Verein für den Chiemgau zu Traunstein.

Ein Jubiläum gibt dem HdBG den Anlass, in diesem Jahr gerade das bayerische Nationalgetränk in den Mittelpunkt zu stellen. Es waren nur wenige Zeilen in der langen Landesordnung von 1516 gewesen, doch gerade sie hatten es, wie sich aus heutiger Zeit sagen lässt, in sich. „Wir wöllen auch sonnderlichen, das füran allenthalben in unsern Stetten Märckten und auf dem Lannde zu kainem Pier merer stuckh dann allain Gersten, Hopffen und Wasser genomen und gepraucht sölle werden“, schrieb der bayerische Herzog Wilhelm IV. den Brauern ins Gebetbuch. Gersten, Hopfen und Wasser – nichts anderes durften sie hernehmen. Die Jahrhunderte sind seitdem ins Land gegangen, doch dieser Grundsatz gilt auch heute noch: Heuer jährt sich der Erlass des bayerischen Reinheitsgebotes zum 500. Mal.

Bier und Bayern gehören zusammen: Was heute selbstverständlich ist, war längst nicht immer so gewesen. Ganz im Gegenteil, Dr. Nadler betonte, dass Bayern bis ins 16. Jahrhundert ein Weinland gewesen sei. An der Isar und der Donau seien die Reben damals gewachsen, der „Baierwein“ sei im wahren Sinne des Wortes in aller Munde gewesen. Nach einer „kleinen Eiszeit“ im 17. Jahrhundert sei er dann aber schlicht und ergreifend ziemlich sauer geworden. Und so habe sich schließlich ein anderes Getränk immer größerer Beliebtheit erfreut: Bayern sei, so Nadler, ein „Bierland“ geworden.

Um kein anderes Getränk in Bayern ranken sich so viele Legenden wie um das Bier. Wahres vermischte sich vor allem im 19. Jahrhundert mit Unwahrem. Ein Beispiel: Gambrinus wird heute immer noch als Patron der Brauer verehrt. Doch dass dieser germanische Königssohn das Brauerhandwerk von einer ägyptischen Königin gelernt und sein Wissen dann im Lande weitergegeben habe, sei, wie Dr. Nadler in seinem Vortrag ausführte, frei erfunden. Diese „schräge Legende“ aufzudecken wie auch andere „Verzerrungen“ zu entlarven sei das Anliegen der Ausstellungsmacher.

Auch in diesem Jahr schafft das Haus der Bayerischen Geschichte wieder einige ganz besondere „Hingucker“ in seiner Landesausstellung. Nicht nur dem geneigten Freund eines edlen Getränkes wird es wohl beeindrucken, wenn er eine Wand aus Masskrügen auf einmal vor sich sieht. Schön aufeinander aufgestapelt, wollen die Ausstellungsmacher nicht weniger als 700 Krüge präsentieren. „Die Mass ist das bayerische Biergefäß“, sagt Nadler. Doch im gleichen Atemzug hält er jedoch fest – wiederum um Legenden und Verzerrungen den Garaus zu machen –, dass die Mass als Mengenangabe für genau einen Liter aber keine bayerische Erfindung sei, vielmehr eine preußische. In Bayern habe man ursprünglich unter einer Mass 1,069 Liter verstanden. Um die vielen Maße und Gewichte, die in deutschen Landen gewachsen waren, zu vereinheitlichen, habe das Deutsche Kaiserreich dann in Berlin 1879 die Mass einheitlich auf 1,0 Liter festgesetzt.

Das „Reinheitsgebot“ – diese Bezeichnung tauchte erstmals 1909 auf – hatte eine Reihe von Vorläufern. In Städten wie Augsburg oder auch Nürnberg entstanden bereits im 12. und 13. Jahrhundert Bierordnungen. Doch sie alle erstreckten sich auf kleinere Gebiete. Die Bestimmungen in der Landesordnung von 1516 galten erstmals für ein großes Territorium: für das wieder vereinigte Herzogtum Bayern, das vormals in zwei Teile zerfallen und durch den Landshuter Erbfolgekrieg dann zu einer Einheit verschmolzen war. Das Reinheitsgebot fand in den folgenden Jahrhunderten große Wertschätzung, Anfang des 20. Jahrhunderts galt dann auch deutschlandweit der Grundsatz, dass Bier nur aus Gersten, Hopfen und Wasser gebraut werden darf. Das Reinheitsgebot wird heute als ältestes Lebensmittelgesetz betrachtet, das noch in Kraft ist.

1987 sorgte ein europäisches Urteil für einen Schock: In Deutschland dürfe fortan auch Bier verkauft werden, das nach den europäischen Vorschriften gebraut werde. Die Hüter des Reinheitsgebotes sahen die Gefahr, so Dr. Nadler, dass „Chemiebier“ in großen Mengen auf den Markt in deutschen Landen kommt. Diese Befürchtung habe sich dann jedoch nicht bewahrheitet. In Deutschland trinke man hauptsächlich Bier, gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516.

Dass das Bier eine ganz besondere Wirtshaus- und Festkultur in Bayern begründet hat, dass etwa Jahr für Jahr Besucher aus aller Herren Länder auf das Oktoberfest in München strömen, um sich nicht nur, aber auch am bayerischen Nationalgetränk zu erfreuen und sich bisweilen auch in einen Rausch zu begeben, erläutern die Ausstellungsmacher ebenso wie die ernste Seite des Bierkonsums. So zeigen sie etwa auch ein, wie sie sagen, „medizinisches Phänomen“: ein „Münchner Bierherz“, das dreimal so groß ist wie ein normales Organ. Der Hintergrund: Bier führt zur Herzerweiterung, damit droht Herzschwäche – und letztlich der Tod.

Geschichten erzählt das HdBG – zum Beispiel jene von Gabriel Sedlmayer, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Großbritannien gefahren war, die dortige weit fortgeschrittene Brautechnik ausspionierte und seine Erkenntnisse dann mit zurück nach Bayern nahm.

Und das Haus der Bayerischen Geschichte erinnert etwa auch an Hans Steyrer aus München. Er war nicht nur irgendein Wirt auf dem Oktoberfest, sondern ein ganz besonderer. Als „Kraftakrobat“ war er unschlagbar: 264 Kilogramm schaffte er im Steinheben.

Längst ist das Bier aus Bayern ein Exportschlager. Schon in Kolonialzeiten war das Getränk auf weite Reisen gegangen. Auch im damaligen Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, trank man den Gerstensaft. Eine Flasche, geleert in Namibia, ist in der Ausstellung zu sehen – ein Exponat, das aus Traunstein vom Hofbräuhaus kommt. So klein ist die Bierwelt. 

 Referent Nadler

Dr. Michael Nadler, einer der Ausstellungsmacher vom Haus der Bayerischen Geschichte, sagte, dass Bayern spätestens seit dem 17. Jahrhundert“ ein Bierland sei.  Foto  pü

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