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Von Krippen und Christkindl 

Ein Vortrag des historischen Vereins für den Chiemgau über die alte Tradition

Glockengebimmel unterbricht das Gemurmel der Gäste in der urigen  Zieglerwirtsstube des Heimathauses. Die rustikalen Holztafeln sind liebevoll geschmückt mit Tannenzweigen und roten Kerzen, Punschgeruch liegt in der Luft. Rund 45 Interessierte waren am vergangenen Freitag zum Vortragsabend des historischen Vereins für den Chiemgau gekommen, um mehr über die Tradition der Krippen und Christkindl zu erfahren. Bei Plätzchen, Stollen und Kletzenbrot referierten Rosi Bauer, Leiterin des Christkindlmuseums in Siegsdorf und Sigi Strohhammer, Krippenbauer aus Haslach.

Nach dem das angeregte Gemurmel der Gäste verstummt ergreift Hans Helmberger, Vorsitzender des historischen Vereins für den Chiemgau das Wort: „Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.“ Helmberger liest einen Auszug aus dem Lukas Evangelium vor, denn genau an dieser Weihnachtsgeschichte orientieren sich heute noch unsere Krippendarstellungen. Dabei vereinen sie Adventszeit, Christi Geburt und das Dreikönigsfest in einer szenischen Darstellung.

Als Begründer des Krippenbaus gilt der heilige Franz von Assisi, der 1223 anstelle einer Predigt die Weihnachtsgeschichte mit lebenden Tieren und Menschen nachstellte. So verbreitete sich die Idee der Krippe vor allem in Ordenshäusern und Klöstern. Zur Zeit der Säkularisierung und der Aufklärung wurde das Aufstellen von Krippen in öffentlichen Gebäuden  jedoch verboten. Dadurch erhielten die Weihnachtskrippe Einzug die Stuben privater Bauernhäuser.

So sind Krippen auch fest in unserer voralpenländischen Kultur verankert. Einer, der die Tradition des Krippenbaus bis heute fortleben lässt ist Sigi Strohhammer. Der 76-jährige Maler aus Haslach hat 2003  zusammen mit Rosi Bauer die Krippenbauschule besucht. Seit dem baut er sogenannte Kastenkrippen,  zwei davon hat er zum Vortrag ins Heimathaus mitgebracht. Sie sehen aus wie alte Röhrenfernseher aus Holz. „Zuerst muss man einen schönen, alten Bilderrahmen mit Glas finden“, erklärt Strohhammer. „Dann baut man den Kasten, die Innenseiten muss man natürlich vorher bemalen und dann werden Landschaft und Figuren von hinten nach vorne angeklebt.“

„Deswegen nennt man sie auch Faulenzerkrippen“, unterbricht Rosi Strohhammer ihn. „Denn diese Krippen muss man nicht mehr extra aufbauen.“ Doch bis die Krippe einmal steht benötigt man nicht nur eine große Portion Gefühl für Perspektive, sondern auch jede Menge Geduld. Für seine größte Kastenkrippe habe er zwei Jahre gebraucht, erzählt Strohhammer. „Mich hat mal einer gefragt: Wie kann man sowas nur machen? Ich hab dann gesagt: Mei, das muss von innen heraus kommen.“

Die große Liebe zu Christkindl und Krippen kann man auch in Rosi Bauers Vortrag wiederfinden. Gleich zu Beginn verteilt sie sogenannte „Bussi-Schachterl“ an die Gäste, denn auch jeder Besucher ihres Christkindlmuseums darf sich eines der kleinen Streichholzschachteln mit nach Hause nehmen. „Immer wenn Besucher mich verwundert fragen warum das Schachtel leer ist, sag ich: Die ist nicht leer da ist ein Bussi vom Christkindl drin,“ erzählt Bauer.

Seit mehr als 40 Jahren beschäftigt sie sich mit Christkindldarstellungen. In ihrem Museum in Siegsdorf stehen über 700 Objekte, von Votivbildern bis hin zu Figuren. Sie ist eine leidenschaftliche Sammlerin und Restauratorin. Im Vortrag erzählt sie stolz von einem ihrer größten Schätze im Museum: „Ich besitze wahrscheinlich das kleinste Christkindl der Welt.“ Die Figur ist nicht einmal einen Zentimeter groß, hat winzig kleine Finger und ein lieblich gemaltes Gesicht.

Es ist die Faszination am Kunsthandwerk, die Liebe zum Historischen und die  Begeisterung an den Legenden um jede Christkindlfigur, die Bauer zu einer wahren  Christkindl-Expertin machen. Die Gäste des Vortrags lauschen gespannt ihren Geschichten und nach knapp eineinhalb Stunden bedankt sich Helmberger bei den Referenten und beschließt den Vortragsabend. Obwohl der Glühwein längst zu Ende ist, bleiben die Gäste noch in der gemütlichen Stube des Heimathauses sitzen, naschen am Christstollen und betrachten die mitgebrachten Krippen und Christkindl.

Theresa Volk 

Krippen Und Christkindl

Sigi Strohhammer, Hans Helmberger und Rosi Bauer (von links)
 (Foto: Theresa Volk)

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