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Kunsthistoriker lüftet Geheimnis um Meister von Rabenden

 Sein Name war Sigmund Haffner 

Jakobus schaut in die Ferne. Seine Augen sind halb geschlossen, ernst ist er, niedergeschlagen, traurig. Simon ist leicht gebückt, schüchtern und melancholisch wirkt er. Judas Thaddäus hingegen steht der Mut ins Gesicht geschrieben, er ist entschlossen zum Handeln. Die Keule hält er fest in seiner Hand, fast so, als ob er sie schon im nächsten Augenblick brauchen wird. Drei aus Holz geschnitzte Figuren schmücken den Hochaltar von Rabenden (Gemeinde Altenmarkt), jeder Heilige hat einen unverwechselbaren Charakter. Sie gehören zu den Daniel Rimsl, Foto: Gernot Pültzbedeutendsten Kunstwerken im Landkreis Traunstein, rund 500 Jahre alt sind sie schon. Doch: Wer hat sie geschaffen?

So herausragend, so einzigartig in weitem Umkreis, so wertvoll die Figuren sind, so geheimnisvoll ist die Geschichte ihrer Entstehung. In den Quellen, die in den Archiven liegen, steht nichts. Leidenschaftlich, bisweilen hitzig diskutieren Heimatforscher wie Wissenschaftler gleichermaßen über den „Meister von Rabenden“. In einem Vortrag, den der Historische Verein für den Chiemgau zu Traunstein veranstaltete, gab Daniel Rimsl, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Kunstgeschichte an der Universität Regensburg, dem Unbekannten nun einen Name: Der „Meister von Rabenden“ sei kein anderer gewesen, so der junge Kunsthistoriker, der aus Trostberg stammt – und damit also nicht weit weg von Rabenden aufwuchs –, als der damals weithin bekannte Sigmund Haffner.

Von circa 1465 bis 1529 lebte er, ganz genau lassen sich seine Lebensdaten nicht fassen. Allem Anschein nach unterhielt er in München eine riesige Werkstatt und zusammen mit seinen Schülern schuf er geradezu eine Litanei an Kunstwerken, die in Kirchen hauptsächlich zwischen München und Rosenheim, aber auch weit über diese Städte hinaus zu bewundern waren und sind.

Dass Sigmund Haffner der „Meister von Rabenden“ sein könnte, ja sein müsste, „ist nicht meine Idee“, sagte Rimsl. Dieser Name „geistert schon seit Jahrzehnten in der Forschung herum“. Im Unterschied zu anderen Kunsthistorikern will sich Rimsl aber jetzt eindeutig festlegen. Seine These: Er war es.

Als das Interesse am Hochaltar in Rabenden, an den Figuren, die ihn schmücken, einst immer weiter anstieg, tappten die Heimatforscher und Gelehrten im Dunkeln. 1911 befasste sich ein erster Forscher mit dem unbekannten Künstler, mit dem, wie er schrieb, „Meister von Rabenden“. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wuchsen dann die Bemühungen, ihm einen Namen zu geben. In neuerer Zeit war zum Beispiel auch die Rede davon, dass die Meisterhand, die die einmaligen Figuren schuf, zu Wolfgang Leb aus Wasserburg gehört haben könnte. Und immer wieder war auch zu hören, dass das Werk in Rabenden Sigmund Haffner zuzuschreiben ist – wovon Rimsl überzeugt ist. Denn der Kunsthistoriker betreibt Stilkritik: Er analysiert die Kunstwerke, er vergleicht sie. Und in dieser Betrachtungsweise kommt er zum Schluss, dass Haffner eine ganz eigene, persönliche Art der Gestaltung an den Tag gelegt hatte – eben jene, die Rimsl auch in den Figuren in Rabenden erkennt.

Der Hochalter in der Kirche St. Jakobus in Rabenden mit seinen geschnitzen Heiligen gehört zu den bedeutendsten Kunstwerken im Landkreis Traunstein. Geschaffen hat sie der „Meister von Rabenden“.  Foto  KastenbauerDer Altar dürfte, so der Kunsthistoriker, um 1510 oder 1515 entstanden sein. Damit sei er ein Zeugnis der Spätgotik, jener Stilrichtung, die nicht nur, aber gerade auch großartige Flügelaltäre wie in Rabenden hervorgebracht habe. Im Hochalter stehen laut Rimsl drei Heilige: in der Mitte Jakobus, der Pilgerheilige, der eine Muschel in der Hand trägt, sowie von ihm aus rechts betrachtet, Simon mit der Säge, der der Legende mit der Säge geteilt worden war, sowie auf der anderen Seite Judas Thaddäus mit der Keule, der offensichtlich mit der Keule erschlagen worden war. Drei Apostel sind also dargestellt – insbesondere auch Jakobus, der zur damaligen Zeit laut Rimsl hierzulande eine große, eine weit verbreite Verehrung erfuhr. Auf den beiden Seitenaltären seien Szenen aus dem Marienleben dargestellt, ebenso etwa die Geburt Christi und die Anbetung der Heiligen Drei Könige.

Holzschnitzer gab es damals derer viele. Und sie hatten viel zu tun. Denn gleichsam ein jeder wollte einen geschnitzten Flügelaltar bekommen. Und was konnte nun der „Meister von Rabenden“, was die anderen nicht konnten, was brachte ihm dann posthum jenen Ruhm, den er bis auf den heutigen Tag immer noch sein Eigen nennen darf? „Da muss man sich die Gesichter und die Hände anschauen“, sagt Rimsl. Der Meister von Rabenden habe es verstanden, so ist der Kunsthistoriker überzeugt, den „leblosen Figuren Leben einzuhauchen und ihnen einen Charakter zu geben“. Die Fertigkeiten und Fähigkeiten des „Meisters von Rabenden“ offenbaren sich laut Rimsl in den Einzelheiten, etwa in den Händen, die sogar Adern aufweisen. Zu den „Markenzeichen“ des Handwerkers und Künstlers – zur damaligen Zeit unterschied man diese Bezeichnungen noch nicht voneinander – gehören laut Rimsl auch Eigenheiten wie die „Korkenzieherlocken“, die in diesem und auch anderen Werken immer wieder auftauchen.

Im Chiemgau sind einige Werke zu bewundern, die dem „Meister von Rabenden“ zugeschrieben werden – etwa auch die aus Holz geschnitzten Figuren in der Kirche von Obing. Diese überlebensgroßen Gestalten müssen einst in einem überaus großen, hohen Altar gestanden sein, der heute nicht mehr erhalten ist. Mancher Forscher, der auf den Spuren des „Meisters von Rabenden“ wandelt, spricht mit Blick auf Obing laut Rimsl sogar von dessen Hauptwerk. Dargestellt seien Maria, Laurentius und – wie in Rabenden – Jakobus.

Einer der bedeutendsten Bildschnitzer jener Zeit war Tilman Riemenschneider. Unter anderem schuf er auch eine aus Stein gemeißelte Madonna. Und wer dieses Kunstwerk mit der Maria in Obing vergleicht, entdeckt Erstaunliches. „Die beiden Figuren sind sich nicht unähnlich“, sagt Rimsl. Dieser Befund werfe „gewisse Rätsel“ auf – und gebe Vermutungen breiten Raum. Angenommen worden sei auch, dass der „Meister von Rabenden“ bei Tilman Riemenschneider in die Lehre gegangen sei – was jedoch, so Rimsl, sehr unwahrscheinlich sei. Denn die beiden seien etwa gleich alt gewesen. Wie dem auch sei, offensichtlich war der „Meister von Rabenden“ Rimsl zufolge jedoch in Würzburg und ließ sich von Riemenschneiders Werk inspirieren.

Gernot Pültz (Chiemgau-Zeitung)

 

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