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Mit Napoleon in den Krieg gezogen

Exponate aus dem Chiemgau in der Landesausstellung

© Haus der Bayerischen GeschichteTraunstein – Peter Scheicher war einer der ganz wenigen Soldaten, die die Schlachten und die Eiseskälte überlebten.

Mit 33 000 Mann war Bayern an der Seite Napoleons 1812 in den Krieg gegen Russland gezogen, nur 3000 kehrten zurück. Als der Schlachtenlärm des napoleonischen Zeitalters längst verstummt war, zog der betagte Veteran Peter Scheicher in den 1860er Jahren nach Traunstein. Mit im Gepäck hatte er seine alte Uniform – eine Kriegskleidung, die in den nächsten Monaten zu den Exponaten der Landesausstellung „Napoleon und Bayern“ in Ingolstadt gehören.

Der Feldherr, der sich 1804 zum Kaiser der Franzosen krönen ließ, fegte vor rund 200 Jahren wie eine Wirbelsturm über Europa hinweg und brachte die Mauern der alten Staatenwelt zum Einsturz. Bayern war mit Napoleon von 1805 bis 1813 verbündet und gehörte am Ende zu den Gewinnern der kriegerischen Epoche. 1806 folgte die Erhebung zum Königtum. Das Land erhielt eine moderne Verfassung, die seinerzeit ihresgleichen suchte. Bayern wuchs und wuchs, immer mehr Ländereien nannte das Königtum sein Eigen. Bis hinunter zum Gardasee erstreckte sich schließlich seine Grenze.

Volker Bräu

„Napoleon und Bayern“: So lautet der Titel der Landesausstellung in diesem Jahr. Vom 30. April bis 31. Oktober erzählt das Haus der Bayerischen Geschichte im neuen Schloss in Ingolstadt von Krieg und Frieden, von Hoffnungen und Ängsten, von Glanz und Gloria dieser Epoche. Einen Ausblick auf die Ausstellung gab Volker Bräu vom HdBG dieser Tage in einem Vortrag, den der Historische Verein für den Chiemgau zu Traunstein im Heimathaus veranstaltete. Vormals Lehrer am Chiemgau-Gymnasium in Traunstein, seit 2012 abgeordnet, um die Schau mit vorzubereiten, erläuterte Bräu, dass rund 400 Exponate aus ganz Europa in Ingolstadt zu sehen sein werden – bis hin zum Hut, den Napoleon auf dem Russlandfeldzug getragen hat. Und unter ihnen ist auch und gerade der eine oder andere wertvolle Gegenstand zu sehen, der aus dem Chiemgau und seiner Umgebung kommt.

Mit Napoleon kamen Glanz und Ruhm nach Bayern. Das Königtum blühte auf – die Rechnung jedoch bezahlte das Volk. Die Kriegszüge brachten Tod und Verderben ins Land. „Zu den Verlierern gehörte die Bevölkerung in Bayern“, sagte Bräu. Von 1796 bis 1817 sei Bayern „ständig Durchzugsgebiet“ der Soldaten gewesen. Die Zivilbevölkerung habe für die Versorgung der französischen Armee aufkommen müssen, 100 000 Mann und mehr seien zu verpflegen gewesen. Und Bräu erzählte in diesem Zusammenhang die Geschichte von Aloys Gerhauser: von dem Bierbrauer in Aichach, der während der napoleonischen Kriege fast 15 000 Soldaten und über 10 000 Pferde einquartieren musste, am Ende bankrott war und seine Brauerei verkaufen musste.

 © Haus der Bayerischen GeschichteDie durchziehenden Soldaten verursachten unter der Bevölkerung viel Leid: Übergriffe, Plünderungen und Vergewaltigungen waren ebenso zu beklagen wie Seuchen, Brandschatzungen und Zerstörungen. Ein beredtes Zeugnis, welche Gefahren damals in Kriegszeiten lauerten, gibt heute eine fast zwei Meter hohe Votivtafel der Kirche in Chieming, die nun auch in der Landesausstellung zu sehen ist: Szenisch dargestellt zeigt sie all die Belastungen, die eine Gemeinde treffen konnten. Chieming sei, wie Bräu erläuterte, verschont geblieben und habe dann aus Dank die Votivtafel gestiftet.

Söchtenau, eine Ortschaft, gelegen auf der anderen Seite des Chiemsee, hatte dieses Glück hingegen nicht. Soldaten zogen in den Ort ein und plünderten die Kirche. Die kostbare Monstranz ließen sie mitgehen, die Bürgerschaft gab eine neue in Auftrag – auch an diese Geschichte erinnert die Landesausstellung.

Als Verbündeter Napoleons musste Bayern 30 000 Soldaten für die Feldzüge stellen – ein großes Heer für ein Land, das nicht einmal vier Millionen Einwohner hatte. „Die Armee bekommt in Bayern einen hohen Stellenwert“, sagte Bräu im Rückblick auf die damalige Zeit. Mit breiter Brust habe der Soldat die Uniform getragen – samt Raupenhelm als unübersehbares, zur Schau getragenes Zeichen seiner militärischen Würde. „Wir haben die Uniform nachschneidern lassen, mit der ein Bayer in den Krieg zog“, machte Bräu neugierig auf ein weiteres Exponat in der Ausstellung.

© Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Doch auf dem Felde der Ehre lauerte für die bayerischen Soldaten dann oft genug der Tod. Ihre furchtbaren Erlebnisse in den napoleonischen Kriegen schrieben viele Soldaten auf – einer von ihnen war Jakob Wimmer aus Palling. Sein sogenanntes Blechbuch ist das herausragende Zeugnis eines einfachen Soldaten.

Lang sind die Listen mit den bayerischen Soldaten, die mit Napoleon In diesem Buch, das auch in der Ausstellung zu sehen ist, beschreibt Wimmer unter anderem einen Kavallerieangriff der Russen im Oktober 1812 – und dass er damals nur überlebte, weil er sich unter einen Munitionswagen legte, sich in einen Mantel einwickelte und sein Gesicht mit Blut verschmierte.in den Krieg zogen. Neben Peter Scheicher und Jakob Wimmer stehen auf ihnen zum Beispiel auch Joseph Enzinger, dessen Grabstein im Heimathaus in Traunstein aufbewahrt wird, und Joseph Kriegenhofer, dessen Votivtafel in der Stadtpfarrkirche St. Oswald hängt. Kriegenhofer kämpfte 1809 in Tirol, eine Kugel traf ihn – doch er überlebte.

Gernot Pültz
(Chiemgau Zeitung)


Texte und Copyright zu den Bildern:

Kollett und Hose des Chevaulegers Peter Scheicher

Votivtafel der Gemeinde Chieming

Blechbuch des Jakob Wimmer, Palling

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