|    So finden Sie uns in Facebook:   

Und im Mauerwerk nisteten die Vögel


Claus-Dieter Hotz sprach über „Alte Industrie neu entdeckt“

Das Klaushäusl war seinerzeit ebenso dem Verfall preisgegeben wie der Torfbahnhof

Claus-Dieter Hotz

Traunstein – „Der Torfbahnhof soll möglichst unverfälscht erhalten bleiben – mit all seinem Staub und Dreck“, sagt Claus-Dieter Hotz. Zusammen mit vielen Helfern hat der Heimatforscher die Industrieanlage in Rottau vor Jahren vor dem Abriss bewahrt. In dem Gebäudeensemble, das an die industrielle Torfgewinnung in den Mooren südlich des Chiemsees im 19. und 20. Jahrhundert erinnert, ist heute das „Bayerische Moor- und Torfmuseum“ untergebracht. Und der Torfbahnhof samt seiner umliegenden Gebäude soll laut Hotz Zeugnis geben: den heutigen Besuchern einen authentischen Eindruck vermitteln, wie die schwere körperliche Arbeit auf und an den Mooren früher war – mit all ihrem Staub und Dreck.

In Anerkennung seiner herausragenden Verdienste um die Erforschung der Heimatgeschichte hatte der Historische Verein für den Chiemgau zu Traunstein Claus-Dieter Hotz aus Grassau im vergangenen Jahr den Max-Fürst-Preis verliehen. Zum Auftakt der neuen Vortragsreihe des Vereins hielt der Heimatforscher nun ein Referat über „Alte Industrie neu entdeckt“ im Heimathaus.

Von wegen nur Agrarstaat: Entgegen der früher oft geäußerten Meinung, dass die Industrialisierung in Bayern erst spät im 20. Jahrhundert einsetzte, zeichnen die Historiker mittlerweile ein ganz anderes Bild. Die neue Zeit brach auch in Bayern bereits im 19. Jahrhundert an – und zwar nicht nur in Städten, sondern auch in Regionen. Im großen Gebiet um den Chiemsee lagen mit den Salinen in Traunstein und Rosenheim Zentren der Salzindustrie und mit dem Torfbahnhof in Rottau ein Herzstück der Torfgewinnung. Dass diese Anlagen heute – Jahrzehnte nach ihrer Stilllegung – nicht in Vergessenheit geraten, ist mit ein Verdienst von Claus-Dieter Hotz. Er setzte sich für so manches Gebäude ein – wovon er am Freitag erzählte.

Beispiel Klaushäusl: Die frühere Pumpstation an der Soleleitung von Reichenhall nach Rosenheim besaß eine Nieder- und eine Hochreserve – und war 1987 in einem sehr schlechten Zustand. Die Hochreserve, gebaut aus leichten Steinen, drohte, wie Hotz zurückblickte, völlig zu verfallen, „sie war ein Futterplatz für Vögel“. Und im Inneren des Gebäudes „hat es furchtbar ausgeschaut“: Rohrstücke der ehemaligen Soleleitung lagen laut Hotz ebenso kreuz und quer herum wie Teile des Beckens.

In mühsamer Kleinarbeit brachten Hotz und seine Helfer die Industrieanlage auf Vordermann. Auch die frühere Technik holten sie in die Anlage wieder zurück: Eine Pumpe von Georg Reichenbach, die die Sole seinerzeit von der Nieder- zur Hochreserve hinauf befördert hatte, ehe sie dann dem natürlichen Gefälle folgend weiter Richtung Rosenheim floss, restaurierten sie 1992. Eine, wie Hotz erzählte, ganze Mannschaft habe Teil für Teil das gute alte Stück wieder zusammengesetzt und damit einer „wunderbaren Anlage“ neues Leben eingehaucht.

Torfbahnhof (Foto: S. Fröhler)Beispiel Torfbahnhof: Auch diese Anlage war dem Verfall preisgegeben, ehe sich Hotz ihrer annahm. Als Verladestation für den abgebauten Torf hatten die Bayerischen Landestorfwerke die Anlage mit einer Anbindung an die Eisenbahnstrecke München-Salzburg 1920 errichtet, 1924 erweitert sowie nach einem Brand, der sie 1931 zerstörte, 1932 gleich wieder aufgebaut. Die industrielle Torfgewinnung in den Mooren – insbesondere auch in der Kendlmühlfilze – war bis 1971 in staatlicher Hand. Auch Gefangene aus der Justizvollzugsanstalt Bernau kamen zum Einsatz, vielfach legten sie auch Gräben an, die zum Entwässern des Moorgebietes erforderlich waren. Später dann legte der Staat die Torfgewinnung in private Hände. Eine Firma baute den Torf von 1976 bis 1988 ab – dann trat der Staat auf die Bremse. Der Naturschutzgedanke setzte sich durch, die Ausbeutung fand ein Ende, das Moor erfuhr eine Renaturierung.

„Der Torfbahnhof hat fürchterlich ausgeschaut“, hatte Hotz den gleichen Eindruck wie seinerzeit, als er das Klaushäusl in Augenschein genommen hatte. Dringend erforderlich gewesen sei eine notdürftige Sicherung des Bestandes. Die Kosten damals: 40 000 Mark. Der Landkreis habe seinerzeit die Maßnahme gefördert – und damit zur Rettung des Torfbahnhofes maßgeblich beigetragen.

Schon seit geraumer Zeit präsentiert ein Verein die Anlage, die einige Attraktionen aufzuweisen hat – etwa auch eine funktionstüchtige Torfballenpresse, die, wie Hotz sagt, einzige in ganz Europa.

Das Klaushäusl mit dem „Museum Salz & Moor“ ist ein öffentliches Projekt der Marktgemeinde Grassau, der Torfbahnhof mit dem „Bayerischen Moor- und Torfmuseum“ ein privates, getragen vom Museumsverein Torfbahnhof Rottau. Die Entwicklung der beiden Projekte, Hotz machte daraus kein Hehl, war früher nicht frei von Meinungsverschiedenheiten gewesen. Aber, so Hotz weiter, „jetzt kommt man allmählich zu einem versöhnlichen Miteinander“.

Gernot Pültz
(Chiemgau Zeitung)

 

Zum Seitenanfang