|    So finden Sie uns in Facebook:   

Franz Xaver Huber (1769-1842)

Ein Fachmann mit vielen Begabungen

Von Gernot Pültz 

Franz X. Huber war vielseitig begabt: Er war Trigonometer, Kartograph u.Salinenforstinspektor. Repro Birner
Traunstein – Im Zeichnen von Karten war er ein Meister seines Faches. 1802 erfasste Franz Xaver Huber die Wälder, die die staatlichen Salinen in Reichenhall und in Traunstein zum Bezug von Brennholz besaßen, 1803 beschäftigte er sich zunächst mit der Frauen-, dann mit der Herreninsel. Diese und andere Karten besitzen, so Heimatforscher Helmut Birner, eine „Genauigkeit, die mich überrascht hat“.

Franz Xaver Huber (1769-1842) war nicht nur ein ausgezeichneter Kartograph, der dem Kurfürstentum und – ab 1806 – dem Königtum Bayern wertvolle Dienste leistete. Nicht nur vermessen und zeichnen konnte er, auch die Orgel spielte er. Und vor allem war er auch eins: ein Fachmann in allen Fragen der Forstwirtschaft. Groß war sein Wissen, vielseitig seine Begabungen. Einen Einblick in sein Leben und sein Wirken gab Birner in einem Vortrag, den der Historische Verein für den Chiemgau zu Traunstein in der Zieglerwirtsstube im Heimathaus veranstaltete.

Am 13. April 1769 erblickte Franz Xaver Huber im „Pünderhäusl“, also im „Binderhäusl“ oder „beim Binder“, in Hammer das Licht der Welt. Er muss wohl, wie Birner meinte, „ein aufgeweckter Schüler“ gewesen sein. Denn unmittelbar nach dem Ende seiner Schullaufbahn in Siegsdorf habe Franz Xaver Huber dort eine Stelle als Hilfslehrer angenommen – und zwar bereits im Alter von 14 Jahren.

Nach einiger Zeit jedoch hängte er das Unterrichten an den Nagel und wechselte von der Schule in den Wald: 1790 trat er als Gehilfe dem damaligen Triftmeister der Saline Traunstein, Veit Oberhauser, an die Seite. Der Triftmeister hatte die Aufgabe zu bewältigen, die Trift zu bewerkstelligen: Er musste sicherstellen, dass die Holzknechte die Bäume in den Wäldern der Saline wie geplant fällten – und dass dann dieses Holz, das die Saline benötigte, um die Sudpfannen mit der Sole erhitzen und letztlich Salz herstellen zu können, mit dem Wasser in den Bächen und Flüssen nach Traunstein trieb oder, wie man damals sagte, „triftete“.

Als Gehilfe des Triftmeisters setzte Franz Xaver Huber dann ein erstes Ausrufezeichen als Fachmann, der mit Zahlen außerordentlich gut umgehen konnte: Die Berechnungen, die die Beamten in Traunstein über erforderliche Einschlagsmengen in den Wäldern erstellt hatten, übernahm er nicht, sondern stellte ihnen vielmehr andere, neue, eigene gegenüber – womit er sich jedoch des Zorns der Beamten in Traunstein sicher sein konnte. Der Streit ging dann bis zur Hofkammer in München, sozusagen bis zur Regierung im Lande, die dann aber tatsächlich dem Gehilfen des Triftmeisters Recht gab.

Wiegesäge statt Hacke

Eine Reihe von wegweisenden Neuerungen in der Waldarbeit trug die Handschrift von Franz Xaver Huber. Die Säge ersetzte damals die Hacke – was waldwirtschaftlich gut war, weil dann beim Fällen nicht mehr so viel Holz als Ausschuss verloren ging, für die Holzknechte aber war die Neuerung, wenn man so will, schlecht, weil die Arbeit fortan schlicht und ergreifend anstrengender war. Hatten sie früher mit der Hacke alleine gearbeitet, so standen sie jetzt immer zu zweit an der Wiegesäge – und sie mussten dieses Werkzeug führen, dieses, wie sie dann sagten, „Schinderblatt“ also mit aller Kraft ziehen und schieben.

Franz Xaver Huber ging auch daran, Wege in den Wäldern anzulegen. Früher war der Abtransport des Holzes erfolgt über sogenannte Riesen, also über Rutschen – was sehr verlustreich war, brachen doch viele Scheiter aus den vorgegebenen Bahnen aus. Huber schuf nun Ziehwege in den Wäldern, ins Tal kam das Holz auf Schlitten, die die Holzknechte steuerten – und die dann auch nicht verloren gingen.

Von 1799 bis 1801 besuchte Huber die Forstschule in München. Nicht nur in der Waldwirtschaft, auch in anderen Wissenschaften wie der Mathematik oder auch im Vermessungswesen erwarb er sich umfassende, theoretische Erkenntnisse, die er dann auch als „Trigonometer“ in die Praxis umsetzte. 1802 erfolgte die Anstellung als Salinenwaldmeister in Traunstein.

Er bekam die überaus schwierige Aufgabe übertragen, den Bestand der Salinenwälder genau zu erfassen. Doch Huber wäre nicht Huber gewesen, wenn er vor dieser großen Herausforderung klein beigegeben hätte. Also machte er sich an die Arbeit – und 1802 war er dann fertig: Auf einer großen Karte hatte er die Wälder genau verzeichnet.

Gerade auch diese Karte gab ihm den Ruf, das Land vermessen und die Ergebnisse zu Papier bringen zu können. Weitere Aufträge folgten, neue Karten entstanden. 1803 schuf er eine Darstellung von Frauenwörth, die heute einen besonderen Wert besitzt. Zum einen seien auf ihr, wie Birner erläuterte, noch die Umrisse der alten Pfarrkirche auf der Fraueninsel zu sehen, die inzwischen längst abgebrochen worden ist, zum anderen sei jedes Gebäude mit dem damals gängigen Hausnamen versehen.

Und die Karte, die Franz Xaver Huber dann auch von der Herreninsel zeichnete, lässt heute erahnen, wie das Eiland im Chiemsee vor dem Schlossbau durch König Ludwig II. wohl ausgesehen hat. Auf ihr verzeichnet ist etwa auch ein Torfstich – was wiederum bedeutet, dass man dort bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts, und damit sehr früh, Torf verkohlt und damit dann, so Birner, Kohle geschaffen habe, die für die Schmiede bestimmt gewesen sei.

1808 folgte die Beförderung zum Salinenforstinspektor. Auch die Vermessungsaufgaben mehrten sich. Um Nachwuchs zu erhalten, schuf Franz Xaver Huber eine Schule auf dem Lande, was, wir Birner sagte, „einmalig“ gewesen sei, sei doch die nächste Schule in der Stadt, in München gewesen.

Auch das Zuständigkeitsgebiet weitete sich mit den territorialen Veränderungen in der napoleonischen Zeit. Die Folge: Franz Xaver Huber zog von Traunstein nach Reichenhall. Und dort starb er dann am 16. Oktober 1842 nach einem arbeitsreichen Leben mit 73 Jahren.

 

Karten, die erstaunlich genau waren, zeichnete Franz X. Huber bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Von ihm stammt auch eine 1802 erfolgte Bestandsaufnahme der Wälder, die den Salinen in Reichenhall und Traunstein gehörten. Auf die präzise Gestaltung verwies Helmut Birner / Foto  pü 

Karten, die erstaunlich genau waren, zeichnete Franz Xaver Huber bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Von ihm stammt auch eine 1802 erfolgte Bestandsaufnahme der Wälder, die den Salinen in Reichenhall und Traunstein gehörten. Auf die präzise Gestaltung verwies Helmut Birner (unser Bild).  Foto  pü

 

 

 

 

Zum Seitenanfang