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Auch Antonius betet das Kind an

Vortrag von Hedwig Amann und Michael Karger am 16.12.2016 im Heimathaus Traunstein:
«Weihnachtliche Schätze im Traunsteiner Stadtmuseum»Kunsthistorikerin Hedwig Amann aus Traunstein u. Diplomtheologe Michael Karger aus Bergen/Foto: Pültz

Traunstein – Die Darstellung der Anbetung besitzt eine besondere Note. Jesus liegt auf einem hellen Leintuch, Maria zeigt das Kind, dahinter stehen Josef und drei weitere Gestalten. Über den Gottessohn beugt sich ein Mönch in brauner Kutte, eine Tonsur, eine Glatze mit Haarkranz, trägt er – und ein Heiligenschein umgibt ihn. Dieser Geselle ist der heilige Antonius. Auch er steht in der Reihe der Anbeter – was ungewöhnlich ist. Und damit ist dieses „Traunsteiner Weihnachtsbild“, das im Heimathaus hängt, ein besonderes.

Kunstwerke zur Geburt Jesu zeigten Kunsthistorikerin Hedwig Amann aus Traunstein und Diplomtheologe Michael Karger aus Bergen im letzten Vortrag, den der Historische Verein für den Chiemgau zu Traunstein in diesem Jahr veranstaltete. Zur Einstimmung auf das Weihnachtsfest präsentierten sie Bilder von religiösen Schätzen – etwa von einem Elfenbeintäfelchen aus dem 12. Jahrhundert, das im Diözesanmuseum in Ravenna zu bewundern ist, oder auch von einem Ölgemälde aus dem 16. Jahrhundert, das im Städel Museum in Frankfurt hängt. Und vor allem auch ein Original besprachen die beiden Referenten: Das „Traunsteiner Weihnachtsbild“, das im Heimatmuseum normalerweise eine Etage weiter oben zu finden ist, stand an diesem Abend in der Zieglerwirtsstube im erste Obergeschoss – und die beiden widmeten sich in ihren Ausführungen auch und gerade diesem Ölgemälde.

Die Darstellung der Anbetung stammt aus der früheren Antoniuskapelle im Bereich der heutigen Gaststätte „Festung“ in Traunstein. Dieser kleine Bau hat eine lange Geschichte, die jedoch – mangels Quellen – nur andeutungsweise zu erfassen ist. Allem Anschein nach baute die einflussreiche Familie von Toerring, die auch in Traunstein Fuß fasste, die Kapelle – wie Amann ausführte – im 17. Jahrhundert. In dem Raum habe man keine heiligen Messen gefeiert, nur Andachten seien gehalten worden.

In späteren Zeiten war die Kapelle dann kein Treffpunkt mehr für Gläubige. Der Bau verfiel zusehends. Doch Udo Henning, der heutige Wirt in der „Festung“, rettete sie. Auch und gerade mit Geld, das er aus der eigenen Tasche nahm, sicherte er den Bestand. „Was er mit dem alten Gebäude gemacht hat, ist aller Ehren wert“, lobte Hans Helmberger, der Vorsitzende des Historischen Vereins, das Engagement des Wirtes.

Diese Antoniuskapelle schmückte einst ein Ölgemälde: eine Darstellung der Anbetung, die dann aber ebenso wie die Kapelle dem Verfall preisgegeben war. Finanziert vom Förderverein Alt-Traunstein erfuhr das Kunstwerk eine Restaurierung – und so ist das Bild nun in neuem Glanz im Heimathaus zu bewundern.

Eine Darstellung der Anbetung, die früher in der Antoniuskapelle im Bereich der heutigen Gaststätte „Festung“ hing, ist heute im Heimatmuseum zu betrachten. Wer das Bild wann gemalt hat, lässt sich nicht feststellen. Eine besondere Note hat das Kunstwerk: Auch Antonius, dargestellt in brauner Mönchskutte mit Heiligenschein, kniet vor Jesus. In der Bibel ist Antonius nicht als Anbeter genannt.                                                                                 Das „Traunsteiner Weihnachtsbild“ sei, wie Amann erläuterte, „sehr figurenreich“. Auffällig sei eine „Gestalt in brauner Mönchskutte mit Tonsur und Heiligenschein“. Die Kunsthistorikerin: „Sofort erkennbar“ sei, dass diese Gestalt der heilige Antonius sei. Die Darstellung überrasche, weil Antonius in der Bibel nicht als Anbeter genannt werde.

Amann erläuterte, dass die Antonius-Verehrung in Traunstein in früheren Zeiten weit verbreitet gewesen sei. Die Kapuziner hatten sie ihren Angaben zufolge einst mit in die Stadt gebracht, als sie 1684 eine Niederlassung in Traunstein begründeten. Offen bleibe jedoch, wer das Bild wann gemalt habe, das dann in die Antoniuskapelle gekommen sei. Unter Heranziehung formaler Kriterien datierte Amann das Gemälde, wie sie sagte, „auf das ausgehende 18. Jahrhundert“.

Irrtümer über das Weihnachstfest

Zwar von besonderem Wert ist das Ölgemälde alle Male, verfügt doch das Heimatmuseum in Traunstein kaum über Kunstwerke, die die Weihnachtsgeschichte erzählen und Einblicke in das christliche Brauchtum geben. Ostern ist viel mehr „präsent“ in den Exponaten. Aber das „Traunsteiner Weihnachtsbild“ sei, wie Karger das Kunstwerk in einen größeren Zusammenhang stellte, „nicht einzigartig“. Dass auch Antonius im Rahmen der Anbetung auftrete, sei, wie der Diplomtheologe ausführte, in der religiösen Kunst „nicht selten“. Wie der heilige Franz werde auch der heilige Antonius häufig in die Reihe der Anbeter gestellt.

Karger räumte mit einigen, wie er sagte, Irrtümern über das Weihnachtsfest auf, die im Advent „nahezu täglich“ zu hören und zu lesen seien. Unter anderem werde immer wieder behauptet, dass die Feier der Geburt Jesu ein Ersatz für das Fest gewesen sei, das die Römer für die Geburt der unbesiegbaren Sonne gefeiert hätten. Aus dem Jahre 336 nach Christi Geburt stamme das erste Zeugnis der Weihnacht – und damit aus einer Zeit, da von einem Fest der Römer für die Sonne keine Rede gewesen sei. Und weiter sagte der Diplomtheologe und Religionslehrer, der ein Buch über christliches Brauchtum geschrieben hat, dass auch keiner der Kirchenväter ein „Sonnenfest“ erwähnt habe. Der Geburtstag von Jesus sei von „keinem heidnischen Fest besetzt“ gewesen.

Christliche in die Folge heidnisch-germanischer Feste zu stellen sei die Vorgehensweise der mythologischen Schule der Volkskunde gewesen. Dieser Irrtümer hervorrufende Ansatz sei vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus auf fruchtbaren Boden gefallen. So habe man sich damals der Vorstellung hingegeben, dass das überlieferte Brauchtum „christlich überlagert“, seinem Wesen nach aber „eigentlich nordisch“ sei.

Auch und gerade angesichts der Irrtümer, die sich hartnäckig halten, sieht Karger das christliche Brauchtum „gefährdet“. Alle Fehlinterpretationen seien ein für alle Male zu beseitigen, damit der wahre Bedeutungsgehalt wieder zutage trete. Vor allem auch jene, die das christliche Brauchtum ausüben, sollten Bescheid wissen, „was sie machen“.

Information: Michael Karger: Lehre mich die Weihnachtskunst, Regensburg 2015, Verlag Schnell & Steiner, ISBN 978-3-7954-3033-7.

Von Gernot Pültz

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