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Kapelle erstrahlt in neuem Glanz

Wirt von der „Festung“ hat Kleinod hergerichtet

Traunstein – In neuem Glanz erstrahlt die Antoniuskapelle  bei der Gaststätte „Festung“ am Seehuberweg neben dem Mühlbach. Das Bauwerk war dem Verfall preisgegeben, ehe Udo Henning, der Wirt der „Festung“, an eine Renovierung ging. Das Werk ist vollbracht, am Donnerstagabend erfolgte die Einweihung. Oberbürgermeister Christian Kegel sprach von „einem der wichtigsten Kleinodien in der Stadt“.

Wer die Kapelle wann gebaut hat, ist heute nicht mehr zu erfassen. So viel jedoch steht fest: Anfang des 18. Jahrhunderts tritt sie aus dem Dunkel der Geschichte. Auf einer  1701 von Michael Wening angefertigten Stadtansicht ist sie bildlich dargestellt, in den schriftlichen Quellen erscheint sie dann 1710 als Kapelle „unter der Veste“, angeordnet also im Hang unter dem  damaligen Herrschaftssitz am Rande des Stadtplatzes. Andachten feierten die Gläubigen, Messen jedoch nicht. Später änderten sich die Zeiten, die Kapelle verlor an Bedeutung. Schließlich war sie kein Ort der inneren Einkehr mehr, sie fiel in einen Dornröschenschlaf – und überall bröckelte der Putz von der Wand.

Vor dem weiteren und womöglich gänzlichen Verfall rettete sie Udo Henning. Der Wirt von der „Festung“ packte an und restaurierte das Bauwerk. Viel Geld nahm er in die Hand, Unterstützung in materieller und ideeller Hinsicht bekam er vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München wie auch von der Stadt Traunstein, vom Förderverein Alt-Traunstein und vom Historischen Verein für den Chiemgau zu Traunstein.

Das alte Mauerwerk ist jetzt innen wie außen wieder in einem ansehnlichen Zustand. Erst vor kurzem erfolgten die letzten Handgriffe, Kalk kam auf die Wände, die jetzt in Weiß leuchten. Und im Inneren hängt nun – wie früher – ein Bild der Heiligen Familie mit dem Heiligen Antonius von Padua: Zu sehen ist eine Kopie des Originals, das einst die Kapelle geschmückt hatte, vor Jahr und Tag eine Restaurierung erfuhr und dann ins Heimatmuseum kam. Wie eine Antoniusfigur, die nun ebenso in dem Andachtsraum zu bewundern ist, war auch diese Reproduktion eine Spende. Die Kopie erstellte Rolf Wassermann aus Traunstein.

Hans Helmberger, der Vorsitzende des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein, sagte unter anderem, dass Antonius der Patron für die Suchenden sei. Im Volksmunde werde er auch „Schlampertoni“ genannt. Helmberger erinnerte an den kunsthistorischen Wert des Gemäldes. Er sprach von einem ganz besonderen Bild: Nicht nur Jesus, Maria und Josef seien abgebildet, sondern unter anderem auch – was höchst selten in der Kunst so geschehen ist – Antonius. Er sei in seinem Franziskaner-Habit zu erkennen.    

Oberbürgermeister Kegel lobte Henning, der den Mut aufgebracht habe, die Kapelle zu renovieren. Der Wirt der „Festung“ habe „etwas zugänglich gemacht, was über viele Jahre fast vergessen worden war“. Kegel sagte, dass über den Bau der Kapelle nichts bekannt sei. Er erwähnte die erste bildliche Darstellung auf der Stadtansicht von Michael Wening 1701 und die erste Nennung in den schriftlichen Quellen am 25. August 1710 – was belegt, dass die Kapelle älteren Ursprungs sein muss. Der dem Antonius gewidmete Andachtsraum sei die zweitälteste Kapelle in Traunstein, so Kegel. Allein die Salinenkapelle sei noch betagter.

Alle Redner lobten die Renovierung – auch Pastoralreferent Robert Hintereder. Er freute sich über das gelungene „Gemeinschaftswerk“. Er hoffte, jeder Besucher der Kapelle erfahre, dass er ein geliebter Sohn Gottes sei. Und jeder, der vorbeikomme, möge doch Antonius als „sympathischen Ansprechpartner“ kennen lernen. Hintereder segnete die renovierte Kapelle.

Für eine musikalische Umrahmung der Feier sorgten die Geschwister Kirmer aus Traunstein.  

Gernot Pültz (Chiemgau-Zeitung)

 

 

 

 

 

 

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