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Dr. Hans Jürgen Grabmüller erhielt Max-Fürst-Preis 

Ein Meister der kleinen Geschichte 

Laudator Evers würdigt Forschungen in der Region
 Den Max-Fürst-Preis des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein erhielt Dr. Hans Jürgen Grabmüller (Zweiter von links). Ihm gratulierten Vereinsvorsitzender Hans Helmberger (links), Laudator Gerd Evers (Dritter von links) und Franz Demmelmair, der Geschäftsführer der Adelholzener Alpenquellen, die die Verleihung des Preises finanziell unterstützen.  Foto  pü

Traunstein – Er ist Heimatforscher und Autor, Wissenschaftler und Projektleiter: Auf vielfältige Weise engagiert sich Historiker Dr. Hans Jürgen Grabmüller aus Grassau seit Jahren im Ehrenamt. In Anerkennung seiner herausragenden Leistungen verlieh ihm der Historische Verein für den Chiemgau zu Traunstein am Dienstagabend im Rathaus in Traunstein den Max-Fürst-Preis. Laudator Gerd Evers betonte, in der „postfaktischen Welt, in der häufig die Grenzen zwischen Lüge und Wahrheit verschwimmen,“ suche und finde Grabmüller, was „beruhigend und wohltuend“ sei, „gesicherte Aussagen“.

Seit 2002 würdigt der Verein Jahr für Jahr eine Persönlichkeit, die sich in der Heimatpflege und -forschung besondere Verdienste erworben hat. Heuer ging der Preis, der den Namen des Traunsteiner Malers und Heimatforscher Max Fürst (1846-1917) trägt, an Grabmüller.

Hans Helmberger, der Vorsitzende des Historischen Vereins, betonte, dass die Heimatpfleger in den Städten und Gemeinden wertvolle Arbeit leisten. Und in diesem Zusammenhang erinnerte er auch daran, dass dieser Posten in Traunstein zurzeit vakant ist. Helmberger appellierte an die Stadt, „die Bestellung eines Heimatpflegers nicht auf die lange Bank zu schieben“.

Oberbürgermeister Christian Kegel sagte, dass Heimat Sicherheit und Geborgenheit gebe, sie stifte Identität. Er brach eine Lanze, deren Geschichte zu erforschen. Die Aufgabe der Heimatpflege laute, den Lebensraum und die Kultur zu erhalten und zu gestalten.

„In den vergangenen 16 Jahren hat sich der Max-Fürst-Preis zu einem überregionalen, hoch angesehen Preis entwickelt“, meinte Resi Schmidhuber, die stellvertretende Landrätin. Der Historische Verein beweise Jahr für Jahr „ein sicheres Gefühl“ und würdige die richtigen Persönlichkeiten.

Dr. Hans Jürgen Grabmüller suche nach Erkenntnissen und scheue sich nicht, so Laudator Evers, der 2010 selbst den Max-Fürst-Preis erhalten hatte, auf die Methoden verwandter Wissenschaftszweige wie der Sprachwissenschaft, Archäologie und Siedlungsgeografie zurückzugreifen und erst auf der Basis eines solch umfangreichen Ansatzes zu Urteilen zu gelangen. „Dabei verzichtet er bewusst auf jeden Anspruch einer ‚absoluten Wahrheit‘, spricht lieber von ‚gut abgesicherten Theorien‘ und lässt so Raum für neue Interpretationen.“

Auf diesem Wege habe Grabmüller „Fehldeutungen und Halbwahrheiten aufgedeckt, die sich in der Überlieferung und Heimatforschung zur Grassauer Gesichte festgesetzt hatten“, so der Laudator weiter. Grabmüller nenne sie „Legenden zur Grassauer Geschichte“ und fordere „zur Revision der Erinnerung“ auf.

Grabmüller deckte „Fehldeutungen und Halbwahrheiten“ auf

Ein Beispiel sei die allzu frühe Datierung der Entstehung von Grassau in die Jahre 928 und 929. Grabmüller zufolge falle die erstmalige Erwähnung des Ortes Grassau – wie er auf der Grundlage siedlungsgeografischer Überlegungen und Ergebnisse der Namensforschung ermittelt habe – ins 12. Jahrhundert. „Demnach war die Grassauer Jahrtausendfeier im Jahre 1933 reichlich verfrüht“, sagte Evers.

Hans Grabmüller beschäftige sich mit der Geschichte der Marktgemeinde Grassau – also, so Evers, mit Heimatforschung, Lokal- und Regionalgeschichte. Grabmüller selbst spreche von „Kleiner Geschichte“ im Vergleich zur „Großen Geschichte“ Bayerns, der Bundesrepublik oder gar Europas und der Welt. Der wünschenswerte Brückenschlag gelinge ihm, er bringe die „Kleine“ mit der „Großen Geschichte in unmittelbare Verbindung“.

Evers würdigte vor allem auch die Leistungen, die Grabmüller als Leiter des Ortschronik-Projektes in Grassau an den Tag legt. Im Auftrag der Marktgemeinde erstellt Grabmüller mit seinem Team ein Buch nach dem andern. Bis jetzt erschienen sind zehn Bände – und zwar sowohl allgemeine „Geschichts-“ als auch spezielle „Themenbände“.

Grabmüller habe in der Vergangenheit Aufgaben gemeistert, die zu bewältigen alles andere als einfach gewesen seien. So habe er Autoren suchen und motivieren müssen, die inhaltliche Balance zwischen der allgemeingeschichtlichen Darstellung und den Themenbänden beachten müssen und die Präsentationen der Einzelbände inhaltlich und organisatorisch planen und durchführen müssen.

Als Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Achental versuche Grabmüller in Vorträgen, so Evers weiter, „den Sinn der Heimatgeschichte und der Heimatgeschichtsschreibung den Zuhörern nahezubringen“. Grabmüller setze sich zum Ziel, Geschichte zu vermitteln und die Öffentlichkeit zu unterrichten. Denn er habe die Überzeugung, dass Geschichte „nicht im Elfenbeinturm stattfindet“, sondern dass sie vielmehr „von der Kommunikation lebt“ – und dass sie letztlich einen Bildungsauftrag habe.

Dr. Grabmüller freute sich über den Max-Fürst-Preis. Er habe sich zum Ziel gesetzt, vielfältige Aufgaben anzupacken, die von der Organisation von Veranstaltungen bis zur Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit reichen. Seine Arbeit mögen, wie er sagte, andere beurteilen, er wäre schon glücklich, wenn es ihm gelingen würde, die Heimatgeschichte zumindest ein Stück weit bekannter zu machen.

Für eine musikalische Umrahmung der Feierstunde sorgte das Bläserensemble „Grass Brass“ der Musikschule Grassau.

Von Gernot Pültz 

Max-Fürst-Preis 2017: v.l. Dr. Alfred Kotter, Dr. Hans Jürgen Grabmüller (Preisträger), Hans Helmberger 

 

(Aktuelles Interview mit Dr. Grabmüller siehe Presseberichte)

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