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Ortsheimatpfleger in Kirchanschöring erhielt Max-Fürst-Preis 2018

Franz Huber, der "Bauer z´Hof" macht Geschichte zum Erlebnis.Den Max-Fürst-Preis des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein erhielt in diesem Jahr Franz Huber (Dritter von links) aus Kirchanschöring. Den „Bauer z‘ Hof“ ehrten Vereinsvorsitzender Hans Helmberger, Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner (Erster und Zweiter von links) und Franz Demmelmair, der Geschäftsführer der Adelholzener Alpenquellen GmbH, die den Preis auch in diesem Jahr wieder mit 1000 Euro dotiert hat. (Foto: Gernot Pültz)

Wie die Landwirte früher gearbeitet haben, zeigt Franz Huber. Nahe Kirchanschöring hat der „Bauer z´ Hof“ neben seinem landwirtschaftlichen Anwesen bereits vor Jahr und Tag ein Bauernhofmuseum aufgebaut. In Anerkennung seiner Verdienste erhielt er am Dienstagabend im Rathaus in Traunstein vom Historischen Verein für den Chiemgau zu Traunstein den Max-Fürst-Preis. 

In Erinnerung an den Maler und Heimatforscher Max Fürst (1846 bis 1917) ehrt der Verein Jahr für Jahr eine Persönlichkeit, die sich besondere Verdienste in der Heimatgeschichte und -pflege erworben hat. Der 17. Preisträger kommt aus Kirchanschöring: Er heißt Franz Huber und ist Ortsheimatpfleger. Neben einem Erwachsenen hat der Verein außerdem auch heuer wieder Jugendliche ausgezeichnet (ein eigener Bericht folgt). Für die musikalische Umrahmung des Festaktes sorgte die „Rothler Stubenmusi“. 

„Der Aufbau des Bauernhofmuseums war einer der Gründe, aber nicht der einzige, den Max-Fürst-Preis heuer an Franz Huber zu verleihen“, sagte Hans Helmberger, der als Vorsitzender des Vereins mit in der Jury saß, die die Entscheidung traf. Der „Bauer z´ Hof“ – der Bauer im Weiler Hof – sei ein Mann, der mit großem Eigenantrieb, Energie und Freude an der Sache nach wie vor sein Lebenswerk entwickelt. 

Traunsteins Oberbürgermeister Christian Kegel sagte, dass Franz Huber „völlig zu Recht“ den Preis erhalte. Sein Engagement für die Geschichte und das Brauchtum verdiene „ganz besondere Anerkennung“. 

„Heimat ist da, wo man seine Wurzeln hat“, meinte stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber. Sie betonte, dass die Landwirtschaft den Landkreis Traunstein geprägt habe, und freute sich, dass die Auszeichnung in diesem Jahr gerade an Franz Huber gehe, der die Arbeit der Bauern ins Bewusstsein bringt. 

Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner hielt die Laudatio auf den Preisträger. Birner erläuterte die vielfältigen Aktivitäten, die Huber in den vergangenen Jahrzehnten an den Tag gelegt hat und auch heute immer noch zeigt. So habe er unter anderem die „Schnalzertradition“ in Kirchanschöring begründet. Laut Birner haben sich in der Vergangenheit immer mehr Goaßlschnalzer getroffen und ihre Peitschen knallen lassen. 1960 seien 34 Gruppen, genannt „Passen“, zusammengekommen, in diesem Jahr mehr als 230.


65 Maschinen und landwirtschaftliche Geräte 

Bereits 1972 habe Huber angefangen, landwirtschaftliche Geräte zu sammeln. Doch nicht nur Gegenstände, vor allem auch Erzählungen seien für ihn immer interessant gewesen – gemäß seiner Überzeugung, dass Geschichte durch Geschichten erlebbar wird. So habe er in der Vermittlung seines umfangreichen Wissens dann stets Wert darauf gelegt, „ein realistisches Bild von der Vergangenheit zu zeichnen“. 

1976 habe der „Bauer z‘ Hof“ erstmals das „Dampfdreschen“ auf seinem Hof veranstaltet, das dann in der Folgezeit regelmäßig Hunderte und Tausende begeistert habe. So setzt Franz Huber immer wieder – wie Birner ausführte – eine alte Dampfmaschine aus dem Jahre 1910 in Bewegung und zeigt dann, wie die Landwirte mit ihrer Hilfe früher das Getreide „geschlagen“, also die Spreu vom Weizen getrennt haben. Diese Veranstaltung, die bis vor Kurzem jährlich stattfand, habe „überregionale Bedeutung“ gewonnen. Dass der „Bauer z’ Hof“ sie seit über 40 Jahren immer wieder anbiete, sei eine „unvorstellbare Leistung“. 

1981 eröffnete Huber das Bauernhofmuseum auf seinem Anwesen. „Eine Führung ist ein besonderes Erlebnis – nicht nur wegen der Exponate“, verwies Birner vor allem auch auf Hubers Gabe, von den alten Zeiten so spannend erzählen zu können. 65 Maschinen und landwirtschaftliche Geräte könne man bewundern – und vielen Geschichten lauschen.

Kirchanschörings Bürgermeister erinnerte daran, dass Huber schon wiederholt ausgezeichnet worden sei – etwa auch wegen seines „unverfälschten, echten Dialektes“. Huber lebe die Mundart und gebe sie gerne an Jüngere weiter. Als Dialektsprecher habe er einen „guten Draht“ zu den Kindern und Jugendlichen – und als Vermittler von Wissen an die nachfolgenden Generationen ein „unwahrscheinliches Engagement“.

 Huber schaffe es seit Jahrzehnten, so der Laudator, alle Altersgruppen für die Geschichte zu begeistern. Es gebe nur wenige, die die Vergangenheit so gut in die Gegenwart transportieren können wie der „Bauer z’ Hof“ – was vor allem auch an seiner „einmaligen Art“ liege.

Gernot Pültz (Chiemgau Zeitung)


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