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"Die Heimatliebe war sein LeitsternDie Heimatliebe war sein Leitstern"

Josef Angerer (1882-1918) hinterließ tiefe Spuren in Traunstein 

Josef Angerer (1882-1918) war Architekt und Heimatforscher in Traunstein.Mag es in der Ferne so schön sein, nimmer kann sie uns verleihen, was uns die Heimat bietet.“ Diese Zeilen schrieb Josef Angerer (1882-1918) als Schüler. Die Liebe zu Traunstein und zum Chiemgau trug er sein ganzes, kurzes Leben lang tief in seinem Herzen. Auf vielfältige Weise gab der Architekt seiner Verbundenheit mit der Heimat sichtbaren Ausdruck: Ein Büchlein mit Bildern aus Traunsteins Vergangenheit veröffentlichte er zum Beispiel ebenso, wie er etwa auch den Anstoß für eine Freilichtbühne in der Stadt gab. Als ein.er der besonders engagierten Heimatforscher war er stets bemüht, den Bürgern ihre eigene Geschichte näher zu bringen.

Werner Paul Hellmuth erläuterte in einem Vortrag im Heimathaus das Leben von Josef Angerer.

„Die Mutter- und die Heimatliebe waren seine Leitsterne“, betonte Werner Paul Hellmuth dieser Tage  in einem Vortrag im Heimathaus. Der Todestag von Josef  Angerer  jährt  sich am 7. November zum 100. Mal. Und so stand gerade er im Brennpunkt, als der Historische Verein für den Chiemgau zu Traunstein ins neue Vortragsprogramm für die nächsten Monate startete.
Josef Angerer war ein ganz besonderer Förderer des Historischen Vereins. Der  Architekt und Heimatforscher sei, wie der heutige Vorsitzende, Hans Helmberger, am Vortragsabend mit einfließen ließ, einer „der wichtigsten Protagonisten“ des Vereins gewesen. So schenkte Angerers Familie der Stadt ein Gebäude am Stadtplatz: die frühere Gastwirtschaft „Zum Ziegler“ – das heutige „Heimathaus“. Das Museum, das in dem Gebäude untergebracht ist, dient der Erinnerung an die vergangenen Zeiten, die der Verein wach hält. 
In Traunstein erblickte Josef Angerer 1882 das Licht der Welt. Sein Vater: Josef Anton Angerer (1852-1883), seine Mutter: Elisabeth An gerer, geborene Hölzl (1858- 1936). Nach dem Besuch der Volks- und der Realschule studierte Josef Angerer von 1902 bis 1906 Architektur an der „Königlich-Bayerischen Technischen Hochschule München“, der heutigen Technischen Universität. In seinem Zeugnis standen nicht weniger als 29 Fächer - was laut Hellmuth den Schluss nahelegt, dass Angerer „ein hoch gebildeter Mann war“.

1909 Rückkehr in die Heimatstadt Traunstein

1909 kehrte er nach Traunstein zurück. Und sogleich engagierte er sich in seiner Heimatstadt auf vielfältige Weise. Als Architekt entwarf er die Pläne für die Schießstätte am Ettendorfer Weg  8, die heute noch zum Stadt- bild gehört. 1911 feierte die Feuerschützengesellschaft Traunstein ihr 600-jähriges Bestehen - und zu diesem Jubiläum bekam sie ein Haus.
Angerers Handschrift trug auch die Villa an der Crailsheimstraße 17, die in diesen Jahren entstand. Auch sie ist heute noch zu sehen.  Und für eine Reihe weiterer Bauten, die das Stadtbild nachgerade prägten, zeichnete der Architekt in der Folgezeit ebenso verantwortlich.
Angerer gehörte zu seiner Zeit zu den Vordenkern in der Stadt. Und so kannte er etwa auch den Maler und Heimatforscher Max Fürst (1846-1917). Auf 25 Briefe von Fürst in den Jahren 1909 bis 1917 ist Hellmuth im Rahmen seiner Nachforschungen gestoßen. Sein Eindruck: Der Ältere sei dem Jüngeren ein „väterlicher Freund“ gewesen. Und weiter: Max Fürst habe Josef Angerer wohl wie einen eigenen Sohn empfunden, den er sich gewünscht habe. Beide hätten sie unter körperlichen Gebrechen gelitten. Und so hätten sie sich, wie Heimatforscher Hellmuth meint, „im Leid gefunden“.
Längst nicht nur ein Architekt, der das Stadtbild mit formte, war Angerer, auch als Autor trat er in Erscheinung. So gab er zum Beispiel 1911 „Bilder aus Traunsteins Vergangenheit“ heraus. In dem Büchlein veröffentlichte  er Stadtansichten, die Freunde von ihm gemalt hatten. Und ebenso stellte er dann auch die „Heimatbilder aus dem Chiemgau“ zusammen, die 1913 bis 1915 erschienen.
Angerer war vor allem auch ein Ideengeber und Organisator. So war er es, der 1913 eine Freilichtbühne im Ettendorfer Steinbruch anregte. Eine Genehmigung durch den Magistrat erfolgte - das Gremium war von der Idee begeistert, versprachen sich doch die Verantwortlichen in der Stadt von den Aufführungen, dass  sie  den Fremdenverkehr begünstigen. Die Premiere, ein Bauerntheater, war allem Anschein nach gut besucht.
Doch der Freilichtbühne war kein dauerhafter Erfolg beschieden. Für 1914 hatte ihr Leiter, Josef Angerer, die Aufführung weiterer Volksstücke geplant. Doch dann begann  der  Erste Weltkrieg und setzte allen Bemühungen, einem Theater unter freiem Himmel auf Dauer einzurichten, ein Ende.
In den Krieg ziehen konnte Josef Angerer nicht. Der Grund: Körperliche  Gebrechen plagten ihn. So musste er, was ihn in der allgemeinen Begeisterung für den Waffengang traurig stimmte, zuhause bleiben. So arbeitete er in den Kriegsjahren an der Heimatfront. Im Winter 1917 sammelte er Altmaterial, Papier, ebenso Glasflaschen, Korken und anderes. Verbunden mit dieser Aktion waren Spenden an Bedürftige.

Im Alter von 36 Jahren starb Angerer 1918 an einer tuberkulosen Meningitis. Er hatte keine Nachkommen, das Erbe ging  hauptsächlich an die Stadt.

438 Bücher wechselten  den Besitzer. Diese „Chiemgau-Bibliothek“, untergebracht im Heimathaus, ist nach Angaben von Hellmuth auf heute rund 2700 Bände angewachsen. Und neben den Büchern bekam die Stadt dann vor allem auch ein Haus. Nach dem Tod ihres Sohnes vermachte Mutter Elisabeth, die letzte „Zieglerwirtin“, das Gasthaus ganz im Sinne des Verstorbenen der Stadt - mit der Auflage, ein Museum einzurichten.

 

Text und Foto: Gernot Pültz

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