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Dr. Jürgen Eminger blickt in die Depots – Pläne für Erweiterung von Heimatmuseum

Foto: Gernot Pültz
Klein, aber fein ist das gute, alte Stück. Von Kopf bis Fuß misst der Kerzenleuchter knapp 20 Zentimeter. Reich verziert ist er, oben mit Ornamentik, die in Blau, in Gelb und in anderen Farben leuchtet, unten schmücken Tierdarstellungen das edle Teil. 

Der Leuchter stammt aus einer fernen Zeit. Dr. Jürgen Eminger, der Leiter des Heimatmuseums in Traunstein, ist sich sicher, wie er in einem Vortrag ausführte, den der Historische Verein für den Chiemgau zu Traunstein veranstaltete, dass der Kerzenständer schon 800 Jahre auf seinem Buckel hat. Um 1200 dürfte er in Hildesheim entstanden sein. Eminger sprach von einem „Hammerstück“, von einem Schatz, der bislang in einem der Depots noch ein kümmerliches Dasein fristet, den er jedoch in einer nicht mehr allzu fernen Zeit heben und der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen will – und zwar dann, wenn die Stiftung, die Stadt und der Historische Verein das Heimatmuseum am Stadtplatz erweitern. 

Alles ist derzeit im Fluss, Aufbruchsstimmung bricht sich Bahn. Schon vor einiger Zeit hat die Stadt das sogenannte Mayer-Haus gekauft, das an das Heimathaus angrenzt. Um die Möglichkeiten einer Erweiterung auszuloten, lässt sie derzeit von einem Büro in Würzburg eine Machbarkeitsstudie erstellen. In einigen Wochen wird die Studie vorliegen. Und auf dieser Grundlage wird die Stadt dann alles weitere entscheiden. 

Dr. Eminger sieht in einer Vergrößerung des Museums die Chance, neue Themen wie etwa die Bergsteiger- oder auch die Bierstadt Traunstein aufzugreifen und museal darzustellen, oder auch alte wie die Saline und das Salz hervorzuheben. Und vor allem gibt er eine Vision aus: Ihm schwebt ein Museum vor, das künftig nicht nur in die Vergangenheit der Stadt Traunstein zurückführt, sondern darüber hinaus auch Streiflichter auf die Geschichte der Region wirft – getreu dem Motto, das die Fassade des Heimathauses ziert: „Stadt und Land, Hand in Hand, eines Gau’s Heimathaus“. 

Mit Leichtigkeit wird Dr. Eminger einmal die neuen Räume mit Exponaten bestücken können. Denn immer wieder bekommt er Geschenke – womit die Depots mittlerweile reichlich gefüllt sind. Neben kleineren Räumen im Heimathaus selbst verfügt der Museumsleiter über zwei Lager zum einen in einem Haus am Friedhof und zum anderen im alten Landgericht am Stadtplatz. Insgesamt umfasst der Bestand des Museums seinen Angaben zufolge 10 640 Inventarnummern, nur ein Drittel kann er, bedingt durch die räumliche Enge, zeigen. „3500 Objekte sind ausgestellt, 7000 lagern in den Depots.“

Einen kleinen Einblick, welche großen Schätze in verborgenen Ecken liegen, gab Eminger in seinem Vortrag im Heimathaus. In Vitrinen im Erdgeschoss des Museums hatte er sie hineingelegt. 

Neben dem „Hammerstück“, dem romanischen Leuchter aus der Zeit um 1200, verwies Eminger unter anderem auch auf eine „künstlerisch hervorragende Arbeit“ von Johann Georg Itzlfeldner (1705-1790) aus Tittmoning. Auf Wunsch eines Kirchenmannes habe Itzlfeldner seinerzeit ein Konzept für die Umgestaltung eines Gotteshauses im Stile des damals modernen Rokokos entworfen. Auf einem großen Blatt habe er seine Ideen zu Papier gebracht, sagte Eminger und präsentierte das Ergebnis der Überlegungen, die Zeichnung. Itzlfeldner habe „zauberhaft“ gearbeitet. 

Ins Schwärmen kam der Museumsleiter auch, als er die aus Sandstein gemeißelte Skulptur erläuterte, die Knut Rost, ein ehemaliger Mitarbeiter der Zwinger Bauhütte in Dresden, 2001 angefertigt hatte. Sie zeigt das Gesicht von Balthasar Permoser (1651-1732). Der Künstler, der in Kammer, heute ein Teil der Stadt Traunstein, das Licht der Welt erblickte und die Augen dann in Dresden für immer schloss, war ein Bildhauer von europäischem Rang. Zu seinen Hauptwerken gehörte der Skulpturenschmuck am Dresdner Zwinger. Das Kunstwerk von Rost sei, so Eminger, eine „Hommage an Balthasar Permoser“. 

Viele kleine Schätze liegen in den Depots. Alte Bergschuhe zeugen vom Alpinismus in früheren Zeiten. Andachtsbilder geben einen Eindruck vom Leben und Arbeiten, vom Glauben und der Frömmigkeit in vergangenen Jahrhunderten. So vereint die Sammlung Haas, wie Eminger ausführte, nicht weniger als zirka 1000 solcher kleiner und kleinster Kunstwerke aus dem 17. bis 20. Jahrhundert. 

Deutlich größer ist das „Tischzeichen“ des 1815 gegründeten Vereins der Salinenarbeiter. Und dieses Emblem musste auch gut sichtbar sein, hing dieses Kunstwerk doch über dem Tisch, um alle anderen unmissverständlich darauf hinzuweisen, wer an diesem Tisch sitzen darf. Verziert ist das Tischzeichen, auf der einen Seite sind Gerätschaften zu sehen, die die Salinenarbeiter zur Hand nahmen, auf der anderen das Prunkstück der Produktionsstätte in der Au, das im ausgehenden 18. Jahrhundert erbaute sogenannte Karl-Theodor-Sudhaus. 

Der Leiter des Heimatmuseums präsentierte auch einen alten Schlegel aus Holz zum Anzapfen. Sicherlich ist er einst oft zum Einsatz gekommen, zeigt er doch jetzt, da er zum Museumsbestand gehört, eine deutlich Ausbuchtung auf der Schlagseite... Dieser Schlegel könnte einmal gut und gerne für die Thematisierung der Bierstadt Traunstein herangezogen werden, ebenso wie zum Beispiel ein Bierkrug aus Zinn, der 1713 in Traunstein angefertigt worden ist. Die Vielfältigkeit der Exponate, die in den Depots des Heimatmuseums liegen, kennt kaum eine Grenze.

Von Gernot Pültz

Alle Fotos: Gernot Pültz 

 

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